Nackt im Netz: One-Finger-Selfie-Challenge

Es hört einfach nicht auf. Zahlreiche Selfie-Trends, die teilweise für staunen und oft auch für entsetzen gesorgt haben, haben wir in diesem Jahr schon erfolgreich hinter uns gebracht. Vom „High Five Selfie“ bis hin zum #beardsfrombellow-Trend –  man könnte eigentlich meinen, dass uns nach so viel verstörendem Bildmaterial nichts mehr schocken könnte, oder?

Doch seit Tagen gibt es einen neuen sehr kuriosen Selfie-Hype: Nackt, vor einem Spiegel – lediglich ein Finger bedeckt die intimsten Stellen! Klingt nicht einfach, ist es auch nicht.

15128849_1294466013959882_4984349625721088390_oBei dieser Challenge sollen die intimsten Körperbereiche des Menschen verdeckt werden und zwar mit dem Zeigefinger. Sie funktioniert nur, wenn man die richtige Reflexion beachtet. Um das optimale Foto hinzubekommen muss der „eigene“ Finger den Genitalbereich bedecken, und der gespiegelte Finger die Brustwarzen.

Auslöser des neuen Finger-Nackt-Trends war offenbar die japanische Anime-Zeichnerin Sky-FreeDom. Ihre Illustration (siehe rechts) ist der Vorreiter zu diesem Internethype.

Selbstdarstellung ist Trend

Ohne Selfie – wie das gemeine Selbstporträt auf Neudeutsch heißt – geht heute gar nichts mehr: Mit der Handy-Kamera ist eine Aufnahme in spärlichen Klamotten und sexy Pose schnell geschossen. Genauso schnell ist das heiße Selfie verbreitet – per Facebook, Twitter oder einem Messenger wie WhatsApp. Und von dort aus kann der scharfe Schnappschuss ungeahnte Wege gehen.

Härtefälle zeigen auf, dass das spielerische Ausprobieren und Dabeisein-Wollen nicht für jeden Jugendlichen schadlos verläuft. Cyber-Mobbing hat inzwischen mehrere Jugendliche in den Selbstmord getrieben. Doch nicht nur Häme und Spott bergen Risiken für junge Selbstdarsteller. Europaweit steigen die Kinderporno-Anzeigen gegen Minderjährige, weil der Tatbestand unter Umständen auch dann erfüllt ist, wenn der Jugendliche die Nacktbilder selbst ins Netz gestellt hat. In Deutschland hat das Bundeskriminalamt für 2013 in der Kriminalstatistik 4.144 Straftaten im Zusammenhang mit „Besitz und Verschaffung von Kinderpornografie“ registriert, das sind 27,9 Prozent mehr als im Jahr davor, und es ist der höchste Wert seit fünf Jahren. Dazu kommen 2.471 Fälle der „Verbreitung von Kinderpornografie“. Als Kind gilt, wer jünger ist als 14 Jahre. Ebenfalls ausgewiesen sind 400 Fälle von „Besitz und Verschaffung von Jugendpornografie“ und 447 Fälle von „Verbreitung von Jugendpornografie“.

Anzügliches Bildmaterial von Minderjährigen lockt nicht zuletzt Pädophile an. Sie kennen das mediale Verhalten und die wunden Punkte ihrer Opfer genau. Sie wissen, welche Messenger-Apps Jugendliche nutzen, um Bilder von sich zu präsentieren und auszutauschen. Dabei spielt es den Tätern in die Hände, dass zum Beispiel die App KiK anonyme Chats ohne Angabe der Handynummer ermöglicht. Von der scheinbar harmlosen Internet-Bekanntschaft können Aufforderungen nach erotischem Bildmaterial und Erpressungsversuche folgen.

Bliebt zu hoffen, dass dieser Trend so schnell verschwindet, wie er gekommen ist.

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